Montag, 1. Juni 2015

Zum Rabbiner, dem Geistlichen im Judentum.

Rabbi Moshe Feinstein (1895-1986)

Ein Rabbiner (Hebräisch Rav, Mehrzal Rabbanim, "Meister", "Lehrer") ist ein Geistlicher der jüdischen Religion.

Rabbiner werden biblisch erstmals in der Zeit nach dem babylonischen Exil in Esra 7,6-10 genannt. Dort wird der Priester Esra als ein mit dem Gesetz Moses erfahrener Gelehrter der Schrift erwähnt. Nach jüdischer Überlieferung schrieb Esra das mosaische Gesetzt, das beim Untergang Jerusalems 586 vor unserer Zeit verbrannt sein sollte und nur noch mündlich weitergegeben wurde, neu auf. Die Aufgaben der Gelehrten in seiner Tradition waren Auslegung der Tora und die konkrete Anwendung der jüdischen Lehre im Alltag. Daraus gingen später die Pharisäer hervor, die schließlich das rabbinische Judentum begründeten. 

Papst gab es und gibt es im Judentum nicht. Allerdings gab es einmal einen Hohepriester (Kohen Gadol) zwischen 1500 vor unserer Zeit bis 70 unserer Zeit. Der erste Hohepriester war Aaron (Moses Bruder). Der letzte war Phannias ben Samuel.


                                                Darstellung eines Hohepriesters (Kohen Gadol
                                                und zweier Leviten (Leviimam Tempel 
                                                zu Jerusalem zur Zeit des Königreiches Juda

Bis in die Zeit der römischen Herrschaft hatte der Hohepriester sein Amt bis an sein Lebensende inne; das Amt selbst war erblich. Die Römer unterbrachen diese Linie, indem sie den Hohepriester benannten und auch absetzten.

In allen Fragen der Religion, der Priesterschaft und des Gottesdienstes hatte der Hoherpriester die oberste Autorität. Er musste die kultische Reinheit wahren und war der einzige, der einmal im Jahr zum Jom Kippur (Versöhnungstag) das Allerheiligste des Tempels betreten durfte. Dort empfing er stellvertretend für das Volk die Vergebung Gottes. Im Jahreslauf brachte er die wichtigsten Opfer dar.

Seit der Zeit der Makkabäer war der Hohepriester gleichzeitig auch der oberste politische Führer. Er war Vorsitzender des Hohen Rates (Sanhedrin). Dieser Rat war der höchste jüdische Gerichtshof und die wichtigste politische Institution, die selbst unter der Herrschaft der Römer noch über erhebliche Autonomie verfügte. Für die römische Besatzungsmacht war der Hohepriester damit der zentrale Ansprechpartner.

Nach dem großen Jüdischen Aufstand zwischen 66-70 unserer Zeit zerstörten die Römer im Jahr 70 den Tempel zu Jerusalem, das kultische Zentrum des JudentumsDer Kult wurde deshalb nicht weitergeführt. 

In der weiteren Entwicklung des Judentums ging die führende Rolle auf die Schriftgelehrten (Pharisäer) über. Die heutige Funktion eines Oberrabbiners hat jedoch mit jener eines früheren Hohepriesters nur wenig gemeinsam.

Aufgabe eines Rabbiners ist heutzutage auch die Seelsorge und die Betreuung der Gemeindemitglieder. Ferner ist er Ansprechpartner für Personen, welche die Gemeinde kontaktieren mögen. 


Rabbiner beim Religionsunterricht

Ein Rabbiner ist verheiratet ist und hat Kinder.

Vor dem Aufkommen von reformierten Rabbinern im 19. und von reformierten Rabbinerinnen im 20. Jahrhundert gab es ausschließlich traditionelle (orthodoxe) Rabbiner. Die Reformen im Judentum waren Anpassungen an den westlich-industriellen Lebensstil der nicht-jüdischen Gesellschaften. Deshalb werden die reformierten Rabbiner von den orthodoxen Rabbinern nicht anerkannt. Beispielsweise erlauben reformierte Rabbiner am Schabat das Autofahren zur Synagoge, wogegen das traditionelle, orthodoxe Judentum dies verbietet, da die Zündung des Motors als verbotenes „Feuermachen“ im Motorraum gilt. Das traditionelle, orthodoxe Judentum empfiehlt Juden, die weit von der Synagoge entfernt wohnen, das Beten zu Hause und das Treffen der Freunde in der Synagoge am Sonntag, wenn wieder Auto gefahren werden kann.

Orthodoxe Rabbiner und reformierte Rabbiner werden in Deutschland in der Deutschen Rabbiner Konferenz gefasst. Unter diesem Dach arbeiten unabhängig voneinander: die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland und die Allgemeine Rabbinerkonferenz.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rabbiner

https://en.wikipedia.org/wiki/Rabbi

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